Livia Di Giovanna

Livia Di Giovanna (geboren 1984) lebt und arbeitet in Bern, studierte an der Hochschule der Künste Bern und der Zürcher Hochschule der Künste. Ihre Werke sind vertreten in der Rupf Stiftung und der Bernischen Stiftung für Fotografie, Film und Video.

„…Raum, Zeit, Architektur und Licht sind konstituierende Elemente der Arbeiten von Livia Di Giovanna. Ihr Atelier ähnelt einem Labor, in dem mit architektonischen Formen, Volumen und Flächen experimentiert wird. Den Video-Arbeiten gehen lange Versuchsreihen zuvor. Fragen der Dimensionen, die Möglichkeiten der Lichtführung, die Materialwahl und natürlich ein präzises Drehbuch müssen erst erarbeitet und definiert werden. In der anlässlich der AC-Stipendien-Ausstellung präsentierten Videoskulptur „Ohne Titel“, 2009/10 geht die Künstlerin von zwei rechtwinklig zueinander gestellten Schichtplatten aus, die als Flächen Raum und Volumen definieren. Der autonomen Minimal-Architektur kommt in Livia Di Giovanna‘s Video nicht nur die Rolle der Projektionsfläche zu. Die Künstlerin positioniert die Videokamera so, dass die Ecksituation aus zwei unterschiedlichen Perspektiven unabhängig voneinander gefilmt werden kann. Ein Spiel von weiteren Elementen, die davor gestellt, weggezogen, sich überlagern, kippen oder langsam umklappen suggeriert einen sich stets verändernden Raum. Die wandernde Lichtquelle bleibt verborgen, hilft jedoch mit, Volumen und Flächen zu modellieren und überraschende Durchbrüche sichtbar zu machen. Die beiden Filme werden auf die jeweiligen Flächen projiziert, was im Zusammenspiel eine geschickt inszenierte Choreographie eines poetischen Spiels ergibt. Über fünf Minuten dauert die Filmprojektion, die durch sich stets verändernde Räume führt.

Fast könnte man meinen,es handle sich um digital animierte Bilder, wären nicht die kleinen unpräzisen Stellen: Nicht alle Bewegungen verlaufen ganz regelmässig, schliesslich musste die Künstlerin die Wandelemente von Hand stemmen. Wie bei anderen Arbeiten manifestiert sich auch hier Livia Di Giovanna‘s Interesse am Handwerk, das die Bedingungen für eine Arbeit vorgibt. So ist die Grösse der Skulptur nicht zufällig sondern entspricht dem, was die Künstlerin noch eigenhändig bewegen kann. Nicht zuletzt deshalb sind die mobilen Wände aus Styropor, was sich auch auf die Art und Weise der Bewegung auswirkt. Die gleichmässig weiss getünchten Wände täuschen erst über ihre unterschiedlichen Qualitäten und Materialitäten hinweg. Dies kommt dann aber spätestens zum Vorschein, wenn ein Element – wie in Zeitlupe – langsam und beinahe sanft zu Boden gleitet.“

Text: Susanne Friedli
Textausschnitt zum Aeschlimann Corti Stipendium 2011

ldgiovanna@gmail.com

Werk 1:
Ohne Titel, 2009/10

2 Videos (synchron abgespielt) je 5`48 Min.
Doppelprojektion auf Klappwand aus 2 Schichtplatten
je 195 x 145 cm, weiss gestrichen
verbunden mit 4 Klappscharnieren auf der Rückseite
Werk 2:

Ohne Titel, 2011
Projektionen auf drei Holzkuben (überschneidend)
zwei Beamer, 167 x 247 x 104 cm

 

Translation available / Traducziun disponibel : Englisch, Romanisch