Dmitrij Gawrisch

© Alessandro Della Bella

Dmitrij Gawrisch, 1982 in Kiew geboren, wuchs ab seinem zwölften Lebensjahr in der Schweiz auf und studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern. Er schreibt Theater und Prosa, wofür er diverse Preise und Stipendien erhielt, zuletzt einen Werkbeitrag des Kantons Bern für die Arbeit an seinem ersten Roman „Der Kranich im Schnee“. In der Spielzeit 2009/2010 nahm er am Autorenförderprogramm Dramenprozessordes Theaters Winkelwiese in Zürich teil. Dort entstand sein Stück „Brachland“, mit dem er 2011 zum Stückemarkt beim Berliner Theatertreffen eingeladen wurde. Seit Ende 2010 lebt Dmitrij Gawrisch in Berlin.

dmitrij.gawrisch@gmail.com

Projekt:

Brachland

(Theaterstück)

 

Zunächst sieht es aus wie eine Erfolgsgeschichte für Oleg. Er und sein älterer Bruder Ivan sind ohne Papiere in den Westen gekommen, hausen auf einer verlassenen Baustelle und schlagen sich irgendwie durch. Oleg lernt die von Ivan beklaute Petra kennen. Er verliebt sich in die 15 Jahre ältere Ärztin. Sie heiraten, damit Oleg sich nicht mehr verstecken muss. Ivan findet Unterschlupf im Keller von Petras Einfamilienhaus. Doch die Hoffnung trügt. Auch als legaler Einwanderer findet Oleg keine Arbeit – und Ivan muss weiterhin stehlen, um Geld nach Hause schicken zu können.

Kurz vor dem Finale überschlagen sich die Ereignisse. Petra hat die Pille abgesetzt, um ihren Kinderwunsch durchzusetzen. Oleg erfährt, dass Ivan ihn mit seiner früheren grossen Liebe betrog. Und Oleg selbst, der bisherige Sympathieträger, entpuppt sich als egoistischer Einzelkämpfer, der für seine Zukunftschancen die Existenz seiner Familie aufs Spiel setzte.

Ohne moralischen Zeigefinger fragt das Stück nach dem Preis, den Menschen bereit sind für die Hoffnung auf ein besseres Leben zu zahlen. Es macht deutlich, wie der Status von Legalität und Illegalität auch im Privaten ein Ungleichgewicht produziert, das Erwartungen und Enttäuschungen auslöst. Im Spannungsfeld zwischen Familie und Individuum, Heimat und Fremde, Sehnsucht und Realität werden die unsichtbaren, aber ständigen Verlagerungen der Macht sichtbar.

 

Zur Abbildung:

Felix Goeser als Ivan in der Inszenierung von Stephan Kimmig
© Piero Chiussi

Translation available / Traducziun disponibel : Englisch, Romanisch